Heute erschien ein netter Artikel über mich in der Nürnerber Nachrichten. dankeschön, Stefan.
Beim Stichwort «Antifolk» denkt man an New York, aber ganz sicher nicht an Fürth. Und das ist in diesem Fall gar nicht mal gehässig gemeint. «Ich bin wahrscheinlich echt der einzige Antifolker, der dazu steht und von sich selbst sagt, dass er einer ist», grinst Tjian alias Benjamin Nossen. Doch was ist Antifolk? «Das sind Musiker, die Folk machen, aber eigentlich aus einer ganz anderen musikalischen Ecke kommen, aus dem Punk oder aus der Elektronik. Und dann aber trotzdem irgendwann feststellen, dass sie alleine Musik machen und dass die Akustikgitarre ihr Instrument ist.»
So auch Tjian. «Ich mag diesen LoFi-Ansatz», sagt der 27-Jährige. «Es muss nicht perfekt sein, aber es darf natürlich.» Auch seine Musik hat diesen speziellen experimentellen Charakter. Kein Wunder: Alle Stücke werden live mitgeschnitten beziehungsweise bei ihm zu Hause in Fürth im Wohnzimmer aufgenommen und am Computer fertig produziert. Die Ergebnisse klingen so – und das sollen sie auch: LoFi als bewusste Alternative zu HiFi. «Ich höre gerne Musik, die verrauscht ist oder bei der die Flöten schön schief sind.»
Am Wochenende hat Tjian, der im wirklichen Leben gerade sein Referendariat als Realschullehrer absolviert («für mich immer noch ein Traumberuf!»), seine neue CD «Schlacksy!!!» beim «Alles außer laut!»-Abend im Casablanca-Kino in der Südstadt vorgestellt. «Schlacksy!!!» ist aus den Worten ,schlaksig’ und ,sexy’ zusammengesetzt und bereits der sechste Tonträger des jungen Mannes, der nach eigener Aussage schon immer Musik gemacht hat, sein Soloprojekt jedoch erst seit 2006 so richtig vorantreibt.
Die CDs gibt es ausschließlich bei ihm zu kaufen – auf seinen Konzerten. Leider muss man für die in der nächsten Zeit ein wenig reisen: In den Pfingstferien wird Tjian mit seiner Gitarre zwischen Berlin und Hamburg, Hannover und Kiel unterwegs sein.
Ansonsten hat der Mann – und das ist dann nun wirklich ein echtes Antifolk-Klischee – ein selbstgeschriebenes Theaterstück in der Schublade. Beziehungsweise eine Idee dafür. «Es geht um Charly Psychodeli, einen Gangsta-Rapper aus dem Mittelalter, der eine Mischung aus Jesus und Frank Sinatra ist. Das Ganze soll ein Theaterstück oder ein Musical oder noch besser ein Theaterstück mit musikalischer Begleitung werden, aber bislang habe ich erst den Titelsong fertig.» (www.myspace.com/tjian)
Seine KulTour-Tipps: Mitte Februar präsentiert das Casablanca-Kino in der Brosamerstraße 12 eine neue Ausgabe des Kurzfilm-Festivals «Futureshorts». Sein Buchtipp lautet: «Scream Queens am Toten Meer» von Gilad Elbom – ein witzig geschriebener Roman über Gott, Heavy Metal und den Alltag in Israel.
«Ein kulinarischer Tipp ist der Thai-Imbiss in der Bucher Straße in Nürnberg. Gerade an kalten Tagen wie diesen wäre das auch mal wieder was für mich.» Seine Konzerttipps für die nächste Zeit sind das Duo «The Raveonettes», das am 7. Februar im K4 spielt. Und zum Vormerken: Die Indiefolk-Band «Why?» am 22. April, die ebenfalls im K4 auftritt. (www.musikverein-concerts.de)
«Eine Empfehlung sind die Abende mit der Kunstkarawane: Musik und Poesie in gemütlicher Atmosphäre, bei der am Ende ein Hut rumgeht. Letztes Mal wurde der Sänger der Band Jack Masala im Sarg auf die Bühne getragen. Für Überraschungen ist also immer gesorgt.» (www.myspace.com/kunstvorgarten) «Und wer gerade pleite ist, dem lege ich den Omaha- Sampler ans Herz: 13 Künstler und ihre Musik, die es kostenlos im Internet auf www.omaha-records.de gibt.» Und Tjian ist auch vertreten!
Stefan Gnad


